🚑🐮 Vets on the Road – Stosswellentherapie bei einem FesseltrĂ€gerschaden

Vorgeschichte

Eine 16-jÀhrige Warmblutstute, welche als Voltigierpferd genutzt wird, wurde uns aufgrund einer Lahmheit hinten rechts vorgestellt. Zudem zeigte sie eine Schwellung und vermehrten WÀrme im Àusseren oberen Bereich der Fessel hinten rechts vorgestellt. Die VerÀnderung war schmerzhaft auf Druck.

Anwendung der fokussierten Stosswellentherapie.

Diagnostik

Die Ultraschalluntersuchung zeigte strukturelle VerĂ€nderungen am Ă€usseren Schenkel des FesseltrĂ€gers hinten rechts. Neben bereits bestehenden chronischen Verkalkungen im Sehnengewebe fanden sich frische, akute LĂ€sionen mit inhomogener Faserstruktur und hypoechogenen (dunklen) Bereichen. Dies zeigt, dass die Stute bereits frĂŒher eine FesseltrĂ€gerverletzung hatte, sich nun jedoch erneut eine LĂ€sion in diesem Bereich zugezogen hat.

Der Àussere FesseltrÀgerschenkel im Querschnitt im Ultraschall (gelber Kreis), die hypoechogenen dunklen Bereich stellen die akute LÀsion dar. Der Àussere FesseltrÀgerschenkel im Querschnitt im Ultraschall (gelber Kreis) mit den chronischen Verkalkungen (pinker Pfeil).

Therapie

Es wurde eine konsequente Schrittpause mit kontrollierter Bewegung verordnet, um die mechanische Belastung des geschĂ€digten FesseltrĂ€gers zu reduzieren und eine strukturierte Heilung zu ermöglichen. WĂ€hrend einigen Tagen wurden zur Schmerzlinderung oral EntzĂŒndungshemmer verabreicht und das Bein mit kaltem Wasser und Lehm gekĂŒhlt. ErgĂ€nzend erfolgte zwei Wochen spĂ€ter, als die akute Phase der Verletzung beendet war, eine Behandlung mittels fokussierter Stosswellentherapie. In diesem Fall wird die Stosswellentherapie dreimal ĂŒber sechs Wochen verteilt angewandt.

Anwendung der fokussierten Stosswellentherapie.

Wirkung der Stosswellentherapie

Die fokussierte Stosswellentherapie wirkt durch hochenergetische Schallimpulse, die gezielt in das betroffene Gewebe eingebracht werden. Dort stimulieren sie die lokale Durchblutung, fördern die Neovaskularisation, also die Versorgung mit BlutgefĂ€ssen und regen regenerative Prozesse im Gewebe an. ZusĂ€tzlich wird eine schmerzlindernde Wirkung durch Beeinflussung nozizeptiver Nervenendigungen erzielt. Vorteile dieser Therapieform sind die nicht-invasive Anwendung, die gezielte Tiefenwirkung im geschĂ€digten Areal sowie die UnterstĂŒtzung der Gewebeheilung, auch bei chronisch-degenerativen VerĂ€nderungen mit Verkalkungen.

Die extrakorporale Stoßwellentherapie ist ein nicht-invasives physikalisches Therapieverfahren, das seinen Weg seit lĂ€ngerem auch in die moderne Pferdemedizin gefunden hat. Man unterscheidet zwischen fokussierter und radialer Stosswelle, wobei die fokussierte Stosswelle eine gezielte EnergiebĂŒndelung in definierter Gewebetiefe ermöglicht. Dadurch können auch tieferliegende Strukturen wie SehnenursprĂŒnge, BĂ€nder oder knöcherne Areale prĂ€zise behandelt werden.

Stosswellen sind hochenergetische, kurzzeitige Schallimpulse, die im Gewebe mechanische Reize setzen. Diese fĂŒhren zu:

  • Stimulation der Neovaskularisation (GefĂ€ssneubildung)
  • Verbesserung der lokalen Mikrozirkulation
  • Aktivierung zellulĂ€rer Reparaturmechanismen (Stimulation von Fibroblasten und Osteoblasten)
  • Anregung der Kollagenneubildung
  • Auflösung bzw. Remodellierung pathologischer Verkalkungen
  • Schmerzlindernder Wirkung durch Beeinflussung nozizeptiver Nervenendigungen und Reduktion entzĂŒndlicher Mediatoren

Die Therapie wirkt somit nicht primĂ€r symptomatisch, sondern unterstĂŒtzt regenerative Heilungsprozesse im geschĂ€digten Gewebe.
Wichtige Indikationen fĂŒr die Stosswellentherapie beim Pferd:

  • Sehnen- und BĂ€nderverletzungen (Erkrankungen von FesseltrĂ€ger, OberflĂ€chliche und tiefe Beugesehne, SeitenbĂ€ndern etc.)
  • Gelenk- & Knochenerkrankungen (Arthrose, Podotrochlose, periartikulĂ€re Weichteilerkrankungen, Enthesiopathien)
  • RĂŒckenproblemen (Kissing spines, chronische Muskelverspannungen, Iliosarkralgelenks-Probleme)
  • Chronische WeichteilverĂ€nderungen (Verkalkungen, Fibrosierungen)

Prognose

Die Warmblutstute zeigte bereits nach wenigen Wochen keine Lahmheit mehr im Trab. Bei konsequenter Einhaltung des Rehabilitationsprogrammes kann mit einer gĂŒnstigen Prognose gerechnet werden. Wobei das Risiko eines Rezidivs aufgrund der chronischen VorschĂ€digung berĂŒcksichtigt werden muss. Die Stute wird durch unser Reha-Team weiterhin optimal unterstĂŒtzt und progressiv aufgebaut, wobei auf eine ganzheitliche Optimierung des Bewegungsapparates geachtet wird.